Ixesha. Afrikanische Suite Nr. 20

Für Blockflötenquartett.

1. Satz: Circle Dance (ATBG)
2. Satz: Sad Song (TBBG)
3. Satz: Consolation (ATBG)
4. Satz: Simple Solution (ATBG)

Ixesha bedeutet Zeit auf Xhosa, und ich spiele damit auf das afrikanische Sprichwort an: „Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner haben die Zeit.“ Ich habe versucht, dieses andere, schwebende, afrikanische Zeitgefühl in diesem Stück einzufangen. Alle vier Sätze kreisen um jeweils ein Thema; es gibt eine Vielzahl von Wiederholungen und Variationen, also ob die Zeit sich verlangsamt, kreist oder stillsteht.
Im Rhythmus des viertaktigen Circle Dance-Themas etwa könnte man stundenlang im Kreis tanzen. Erstmalig lasse ich die Spieler auch in die Flöte singen und mit den Füßen stampfen (diese Idee verdanke ich Tom Beets vom Flanders Recorder Quartet). So einfach das Thema erscheinen mag – vermutlich sind die ersten beiden Takte die schwierigsten des ganzen Stücks, denn es muss von der ersten Sekunde an so grooven, als hätte man schon eine Ewigkeit gespielt (und getanzt). Der zweite Satz, Sad Song, ist reines Gefühl. Bitte geizt nicht mit Rubato, Pausen, Phrasierung, Vibrato. Es soll atmen und berühren – keine Angst vor Pathos. Leben ist auch Leiden, und wer hätte dafür bessere Worte als die Musik? Es folgt der Trost, Consolation; dieser 12/8-Takt muss auch extrem grooven, lässig, geschmeidig und laid back. Stellt Euch vor, Ihr seid eine Mutter, die ihr Kind beruhigt, das sich verletzt hat; Ihr wiegt es im Arm, erzählt ihm Geschichten, um es abzulenken, und flüstert immer wieder: Es ist alles gut. Das ist natürlich das Thema der Takte 174 bis 181 (und aller Parallelstellen). Ich schrieb die erste Fassung von Consolation ursprünglich als Gastgeschenk für das Musashino Recorder Ensemble in Saitama, das zusammen mit dem Placebo Ensemble meine Stücke in Japan verlegt. Der letzte Satz schließlich ist ein wahrer Hexentanz, ein Parforceritt, ein echtes Scherzo, virtuos und voll unbändiger Energie. Das Metrum ist komplex wie bei Bartók, die zusammengesetzten, unregelmäßigen Takte erzeugen eine schwebende Atmosphäre. Was Bartók der rumänischen Volksmusik entlehnte, wende ich wiederum auf die schwarzafrikanische Musik an.
Ich danke dem Boreas Quartett Bremen – Jin-Ju Baek, Julia Fritz, Luise Manske und Elisabeth Champollion - für die wunderbare Uraufführung in Michaelstein am 23.9.2017 und den Musikvideodreh in Bremen. Ihr habt das Stück wirklich zum Leben erweckt! In den Hörbeispielen hört Ihr das Boreas-Quartett in Aufnahmen vom 14.10. in Bremen.

Hamburg, November 2017

Seitenanzahl: 
28
Preis: 
19,90 Euro